Abschließend läßt sich über Tcl/Tk sagen, daß es sich hervorragend eignet um Prototypen zu erstellen (bezüglich der Layout Gestaltung) sowie zur Integration bestehender Applikationen (haupt- sächlich Kommandozeilenprogramme) wie es am Beispiel der Entwicklungsumgebung in Kapitel 6 gezeigt wurde. Um Tcl/Tk zu lernen sind keine Kenntnisse einer höheren Programmiersprache nötig. Auch ist der Entwicklungsaufwand bedeutend niedriger (laut Ousterhout ca. um Faktor 20) als bei anderen GUI-Tools (Motif, Visual C++, ...).
Jedoch sind wir bei der Programmierung von Tcl/Tk auch schnell an Grenzen gestoßen. Zum einen ist die Sprache wenig strukturiert, was die Entwicklung von umfangreichen und komplexen Applikationen und vor allem deren Wartung erschwert. Außerdem sind in Tk-Variablen, die von den Widgets benutzt werden, global, was zu unerwünschten Seiteneffekten führen kann. Weiterhin enthält Tk keine vorgefertigten Dialoge, (wie z.B. File-Open-Dialog, ...) sondern es muß auf die Erweiterung Tix zurückgegriffen werden. Auch ist es nicht möglich die Default-Bindings eines Widgets zu löschen oder zu überladen.
Da Tcl/Tk eine Interpretersprache ist, kann sie bezüglich der Laufzeiten nicht mit Compilersprachen verglichen werden. Abhilfe soll hier in Zukunft ein von Sun Microsystems entwickelter Compiler schaffen.
Aber Tcl/Tk erfreut sich nicht ohne Grund einer so großen Fangemeinde. Auch wir sind im Verlauf der Bearbeitung dieser Fallstudie auf den Geschmack gekommen, anstatt Kommandos auf einer langweiligen Shell zu tippen, die selbe Funktionalität mit graphischen Tools zu erreichen, und das ohne viel Programmieraufwand. Beachtlich ist auch die Fülle an Informationen die das Internet zu diesem Thema bereitstellt. Auch in Sachen Erweiterungen wird der Tcl/Tk-User hier fündig, so bietet Sun beispielsweise seit Sommer 1996 ein Tcl/Tk Plug-In für Netscape an.
Letztendlich ist es auch Sun zu verdanken, daß die Sprache so weit entwickelt ist. Der Wechsel von John Ousterhout zu Sun dürfte zur weiteren Verbreitung und zur stärkeren Nutzung dieser Sprache in kommerziellen Produkten beitragen.