Jedes LaTeX -Dokument besteht aus Text, der zu verarbeiten ist, und
aus Befehlen,
die die Formatierung des Textes vornehmen. Da sich sowohl der Text als auch die
Befehle des gleichen Zeichenvorrats bedienen, dient der
Backslash: '\' zur
Unterscheidung zwischen Text und Befehlen. Alles was nach einem '\'
steht, wird bis zum nächsten Leerzeichen als Befehl interpretiert. Außerdem
stellen die Zeichen
'#' '$' '&' '~' '_' '^' '%' '{' '}'
spezielle Befehle dar, die später erklärt werden. Sollen diese
Zeichen als Textzeichen benutzt werden so ist Ihnen ein '\'
voranzusetzen.
Die große Mehrzahl der Befehle besteht aus dem '\', dem
unmittelbar ein Befehl mit optionalen oder zwingenden Argumenten folgt.
Optionale Argumente werden in eckigen Klammern angegeben und durch ein
Kommazeichen getrennt. Zwingende Argumente hingegen stehen einzeln
in geschweiften Klammern.
Die Syntax solcher Befehle hat also folgende Form:
\befehlsname[Argument1,Argument2,...]{Argument1}{Argument2}...
Logisch gesehen besteht ein LaTeX Dokument aus einem Vorspann (preamble) und einem Textteil (body). Der Vorspann beinhaltet alle globalen Befehle, d. h. die Befehle, die sich auf das gesamte Dokument beziehen, wie z. B. Seitengröße oder Schriftart. Er besteht mindestens aus dem Befehl
\documentstyle[Optionen]{Stiltyp}
.
Falls keine weiteren Angaben gemacht werden, benutzt das System die
Standardwerte des jeweils gewählten Stiltypen. Der Stiltyp ist ein zwingendes
Argument. Wir wählen für das erste Beispiel den Stiltyp
book.
Welche weiteren Auswahlmöglichkeiten es bzgl. des Stiltyps gibt, wird später
erkärt.
Im Textteil steht der eigentlich zu verarbeitende Text mit evtl. lokal
wirkenden Befehlen, die z. B. eine bestimmte Stelle fett markieren oder
einen
bestimmten Absatz anders formatieren. Der Befehl
\begin{document}
markiert den Anfang des Textteils und
\end{document}
dessen Ende.
Soviel graue Theorie langt schon im Prinzip, um einfache LaTeX\
Dokumente zu erstellen. Fangen wir doch mit einem einfachen ,, Hallo
Welt`` an.
Dazu rufen Sie bitte einen Editor ihrer Wahl mit dem Dateinamen
hallo.tex auf und tippen folgende Zeilen ohne die Zeilennummern
genauso wie sie hier stehen in den Editor:
01 \documentstyle{book}
02
03 \begin{document}
04
05 Hallo Welt
06
07 \end{document}
Nachdem Sie die Datei gespeichert haben, rufen Sie LaTeX wie folgt auf:
latex hallo
Dies führt dazu das die Datei nun kompiliert wird. Dabei gibt LaTeX in jeder Phase an, was es gerade tut und protokolliert alles. Zuerst gibt der Compiler die TeX und LaTeX Versionsnummern an, danach erscheint der Name der zu übersetzenden Datei. Im nächsten Schritt werden Dateien eingebunden, die die korrekte Trennung und die Formatierung gemäß dem gewählten Stiltyp vornehmen. Sollten Sie bei der Eingabe einen Fehler gemacht haben, bricht der Compiler die Arbeit an dieser Stelle ab, zeigt den fehlerhaften Befehl und meldet sich mit einem Fragezeichen. In diesem Fall geben Sie bitte 'q' (quit) ein, verbessern den Fehler und rufen LaTeX erneut auf. Dem Thema Fehlermeldungen und Warnungen ist ein eigenes Kapitel gewidmet, Sie sollten sich im Moment nicht weiter damit beschäftigen. Falls Sie keine Fehler gemacht haben, bilden folgende zwei Zeilen das Ende des Vorgangs
Output written on hallo.dvi (1 page, xxx bytes).
Transcript written on hallo.log.
In Ihrem Verzeichnis befinden sich nun die beiden neuen Dateien
hallo.log und hallo.dvi.
Die Datei mit der Endung .log beinhaltet ein
ausführliches Protokoll des Compiler-Durchlaufs und ist insbesondere bei der
Fehlersuche eine große Hilfe. Die Datei mit der Endung .dvi enthält den
formatierten Text sowie Informationen über benötigte Zeichensätze in einer vom
Druckertyp unabhängigen Form. Falls Sie an einem Betriebssystem ohne
Graphikunterstützung arbeiten, müssen Sie die Datei über einen geeigneten
Druckertreiber drucken, um das Ergebnis zu sehen. Der Aufruf dafür ist
betriebssystemabhängig.
Betriebssysteme mit graphischer Unterstützung stellen in der Regel ein Programm bereit mit dem man sich die dvi-Datei vor dem eigentlichen Druckvorgang anschauen kann, so wie sie dann auf dem Papier erscheinen wird. Der Aufruf dafür lautet:
xdvi hallo
Das xdvi unter Linux ist ein Kommandozeilenprogramm, während an der HTW
eine Version mit graphischer Benutzeroberfläche zur Verfügung steht. Beide
Programme erfüllen allerdings den gleichen Zweck. Mit Hilfe der Shrink-Buttons
können Sie verschieden große Ansichten der Seite einstellen. Die anderen
Buttons sind selbsterklärend. Desweiteren lassen sich die Maustasten als Lupe
benutzen, von links nach rechts nimmt der Vergrößerungseffekt zu.
Sie sollten sich insbesondere an der HTW etwas gedulden - xdvi braucht
an den Silicons etwas länger. Wenn jedoch nach längerer Zeit nichts passiert
oder xdvi eine Fehlermeldung bringt, so liegt dies wahrscheinlich daran,
daß das Programm die benötigten Schriftarteninformationen zur
Bildschirmdarstellung nicht auf die Festplatte schreiben konnte. Stellen Sie
sicher, daß Schreibrechte auf das entsprechende Verzeichnis existieren.
Sollten Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, was bei diesem kurzem Beispiel ziemlich unwahrscheinlich ist, geht der Zyklus editieren, kompilieren und prüfen von vorne los. Ansonsten kann das Dokument jetzt gedruckt werden. Einige Betriebssysteme bieten Optionen an, um direkt dvi-Dateien zu drucken, bei anderen führt der Weg über Postscript. Der Aufruf
dvips hallo
wandelt die dvi-Datei in eine Postscript-Datei um, die dann in jedem Fall
druckbar ist. Im Systemtechnik-Labor des Fachbereichs GIS an der HTWdS
lautet der Aufruf folgendermaßen:
lp -dSPARCprinter hallo.ps
Für Unix existieren verschiedene Skripte, sogenannte 'Shells', die einen typischen Durchlauf integrieren:
Datei editieren, LaTeX aufrufen und kompilieren, evtl. mit Xdvi Ergebnis prüfen, drucken.
Unter Linux gibt es dafür gleich
zwei Alternativen: die TeX - Shell, Aufruf mit ts, und die XTeX - Shell,
Aufruf mit xtexsh. Welche der beiden man benutzt ist Geschmackssache, da
sie einen ähnlichen Funktionsumfang haben.
An der HTWdS ist eine andere Shell vorhanden, die sie
mit xtem aufrufen können (siehe Kapitel ''Verschiedenes'').