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Einführung

Hallo und willkommen in der LaTeX Welt. Die erste Frage, die sich einem bei der Beschäftigung mit LaTeX stellt ist, warum man es einer konventionellen Textverarbeitung mit WYSIWYG bevorzugen sollte. Um diese Frage beantworten zu können, wollen wir zunächst einen kurzen Blick in die Entwicklungsgeschichte werfen:

Mitte der 70'er Jahre begann Donald E. Knuth mit der Entwicklung eines Satzsystems unter UNIX. Dies war die Geburtsstunde des TeX Satzsystems. Erst im Jahr 1982 entstand eine weitestgehend stabile Version, die dadurch, daß Knuth das Programm als PD-Software samt Quellcode freigab, in sehr kurzer Zeit für nahezu jeden Rechnertyp und jedes Betriebssystem zur Verfügung stand. TeX kennt ca. 900 (!) Befehle, d. h. um mit diesem Satzsystem brauchbare Ergebnisse zu erzielen, mußte man neben Kreativität und Fertigkeiten der Satztechnik auch noch über Programmierkenntnisse verfügen - für den Durchschnittsanwender eine Zumutung.

So entwickelte Leslie Lamport ein Werkzeug namens LaTeX, welches vom Benutzer lediglich Angaben zur logischen Struktur eines Textes erwartet, wie z. B. wo fängt ein neuer Abschnitt an, was soll fettgedruckt werden etc. Mit Hilfe der schon vorhandenen Druckformatvorlagen wird dem Text dann das entsprechende Layout verpaßt, die Angaben zur logischen Struktur werden automatisch in TeX Anweisungen übersetzt und schon ist das Endprodukt fertig.

Diese Druckformatvorlagen oder Layoutbögen werden in LaTeX als Stiltyp (style type) bezeichnet und beinhalten alle notwendigen Informationen, um den Text mit minimalem Aufwand zu formatieren. Man sollte von diesem Angebot Gebrauch machen, auch wenn LaTeX selbstverständlich auch individuelle Anpassungen erlaubt. Davon sei allerdings abgeraten, weil man sich erstens das Leben damit unnötig schwierig macht und zweitens in den Druckformatvorlagen gesammeltes Wissen jahrzehntealter Druckkunst steckt, mit dem man als `Normalsterblicher' nicht konkurrieren sollte.

Wenn man viele kreative Elemente in seinem Dokument haben will, so daß keine Seite der anderen ähnelt, ist LaTeX definitiv die falsche Wahl. Nicht, daß es nicht möglich wäre, jedoch steht der Aufwand in keinerlei Relation zum Erfolg. Man sollte dann eher ein Programm im Stile des kommerziellen Produkts CorelDraw© benutzen. Von den kommerziellen Systemen wäre LaTeX am ehesten mit dem Programm PageMaker© vergleichbar, das (für wesentlich mehr Geld) den gleichen Zweck erfüllt:

Das Setzen von Texten für Bücher, Zeitungen, Diplomarbeiten (!) usw.

Die Stärken von LaTeX liegen somit im Massensatz. Insbesondere bei Texten, in denen viel mit mathematischen Formeln gearbeitet wird, ist LaTeX eine große Hilfe. Nicht umsonst bieten die meisten kommerziellen Textverarbeitungen Optionen, um TeX Formeln einzubinden. Wer einmal mit dem Formeleditor gängiger WYSIWYG-Textverarbeitungen sich 'durchklickend' komplexe Formeln in fließenden Text einbinden mußte und später die LaTeX Syntax für Formeln kennengelernt hat, wird den Grund kennen!




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Izak Dayan
Wed Jul 10 12:59:47 MET 1996