Neu gegründeter Förderverein will Schlosskirche für Publikum öffnen - Konzerte und "Zeiten der Stille" sind in Planung
Braunfels (Lahn-Dill-Kreis). "Die Mauern dieser kleinen Kirche sprechen zu uns. Und auch die Menschen, die der Kirche fern sind, haben dafür ein Gespür." Mit Liebe und Wertschätzung sprach Pfarrer Joachim Wehrenbrecht von der Braunfelser Schlosskirche. Und diese Liebe und Wertschätzung für das 500 Jahre alte Kirchlein führte am Donnerstagabend (31. Januar) einen kleinen, aber gewichtigen Kreis von Braunfelser Bürgern im Ratskeller zusammen. Es war die Geburtsstunde des "Fördervereins Schlosskirche Braunfels". Die kleine gotische Kirche im Braunfelser Schloss befindet sich derzeit in einer Art Dornröschenschlaf. Ein paar Mal im Jahr finden hier noch Gottesdienste statt, an Ostern, Pfingsten, zum Volkstrauertag und gelegentlich bei Hochzeiten. Ansonsten ist sie eher ein "musealer Raum", wie es in der Gründungsversammlung hieß.
Der neue Vorstand freut sich über die erfolgreiche Gründung des Fördervereins (von links): Peter Seeger, Pfarrer Andreas Engelschalk, Stadtverordnetenvorsteher Hartmut Müller, Otmar Geitner und Graf Johannes von Oppersdorf. (Foto: Baumann-Lerch)
Zum 500-jährigen Jubiläum im vergangenen Oktober hatte man die Kirche geputzt und gründlich aufgeräumt, aber die Bänke sind alt und unbequem, die Orgel renovierungsbedürftig und eine Heizung ist erst gar nicht vorhanden. Gründe genug also, das Dornröschen zu wecken und wieder in das Leben der Gegenwart einzubinden. Genau ein Dutzend Braunfelser Bürger waren auf Einladung von Stadtverordnetenvorsteher Hartmut Müller (CDU) zur Gründungsversammlung des Fördervereins gekommen und stellten ihre Visionen von einer künftigen Nutzung vor. Pfarrer Andreas Engelschalk erläuterte, die Schlosskirche solle Bürgern und Touristen unabhängig von Gottesdiensten als ein "Raum der Stille" zu Verfügung stehen.
Blick in das Innere der Braunfelser Schlosskirche: Einheimische und Touristen sollen sie künftig wieder mit Leben füllen. Das möchte der neue Förderverein erreichen.(Foto: Archiv)
So könne in den Sommermonaten täglich um 17 Uhr ein Abendgebet in der Schlosskirche angeboten werden. Die kleine Kirche soll in diesen Monaten täglich von 10 bis 18 Uhr begehbar sein, wobei immer wieder auch Orgelmusik zum Eintreten einladen soll. Eine "stille Ecke" mit Kerzen und einem Buch zu Eintragen persönlicher Anliegen solle den Besuchern Raum zum Innehalten und zum Gebet bereiten. Die Schlosskirche soll aber auch als Raum für anspruchsvolle Konzerte für eine Publikum aus ganz Mittelhessen dienen. "Alle diese Vorschläge sind sehr, sehr willkommen", erklärte Hausherr Johannes Graf von Oppersdorff dazu. "Eine kirchliche und eine kulturelle Nutzung können hier gut nebeneinander stehen."
Vorstand gewählt
Nachdem sich der neue Förderverein eine Satzung gegeben hatte, wurde auch der erste Vorstand gewählt. Da Bürgermeister Dieter Schmidt (CDU) wegen Krankheit nicht zur als Vorsitzender zur Verfügung stand, wurde Stadtverordnetenvorsteher Hartmut Müller von Graf Oppersdorff vorgeschlagen und zum Vorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter ist Pfarrer Andreas Engelschalk. Schatzmeister wurde Peter Seeger, zu Beisitzern wurden Otmar Geitner und Graf Johannes von Oppersdorff gewählt. Alle, die die Erneuerung und Sanierung der Braunfelser Schlosskirche unterstützen wollen, können ab sofort dem Förderverein beitreten. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf jährlich 15 Euro pro Privatperson und 60 Euro für Firmen und Institutionen festgelegt. Kontakt über das Pfarramt: (0 64 42) 57 71.
Von Eva-Maria Baumann-Lerch, Tel.: (06441) 959697,
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